{"id":837,"date":"2023-06-17T13:10:28","date_gmt":"2023-06-17T13:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/aepalizage.iot-d.de\/?p=837"},"modified":"2026-02-13T10:14:43","modified_gmt":"2026-02-13T10:14:43","slug":"schnelles-runenorakel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aepalizage.iot-d.de\/?p=837","title":{"rendered":"Schnelles Runenorakel"},"content":{"rendered":"\n<p>von Frater Cino<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Tacitus gibt es einen Passage \u00fcber die Orakel-Gebr\u00e4uche der germanischen St\u00e4mme der Antike, die sich aus heutiger Sicht sehr verlockend liest: sie scheint das Werfen der Runen mittels 24 <em>Runensteinchen <\/em>oder <em>Runenh\u00f6lzchen <\/em>zu beschreiben, wie es heute in magischen und neopaganen Kreisen \u00fcblich ist. Ob die Menschen damals wirklich die Runen als Orakel benutzt haben, und wie sie dabei vorgegangen sein k\u00f6nnten, ist zwar ein spannendes Thema zur Spekulation, aber hier will ich mich blo\u00df von der \u00fcberlieferten Passage inspirieren lassen, und eine Runenorakel-Methode pr\u00e4sentieren, die mir pers\u00f6nlich sehr gef\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-luminous-vivid-amber-color has-text-color has-medium-font-size\">&#8222;Auspicia sortesque, ut qui maxime, observant. Sortium consuetudo simplex:&nbsp;<strong>virgam, frugiferae arbori decisam, in surculos amputant, eosque, notis quibusdam discretos, super candidam vestem temere ac fortuito spargunt:<\/strong> mox, si publice consuletur, sacerdos civitatis, sin privatim, ipse paterfamiliae, precatus deos&nbsp;<strong>coelumque suspiciens, ter singulos tollit*<\/strong>, sublatos secundum impressam ante notam interpretatur. Si prohibuerunt, nulla de eadem re in eundem diem consultatio; sin permissum, auspiciorum adhuc fides exigitur. Et illud quidem etiam hic notum, avium voces volatusque interrogare: proprium gentis, equorum quoque praesagia ac monitus experiri; publice aluntur iisdem nemoribus ac lucis candidi et nullo mortali opere contacti: quos pressos sacro curru sacerdos ac rex vel princeps civitatis comitantur, hinnitusque ac fremitus observant. Nec ulli auspicio major fides non solum apud plebem, sed apud proceres, apud sacerdotes; se enim ministros deorum, illos conscios putant. Est et alia observatio auspiciorum, qua gravium bellorum eventus explorant; ejus gentis, cum qua bellum est, captivum, quoquo modo interceptum, cum electo popularium suorum, patriis quemque armis, committunt: victoria hujus vel illius pro praejudicio accipitur.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die hervorgehobenen Passagen lassen sich grob wie folgt \u00fcbersetzen: &#8222;<em>Sie schneiden einen Stab, der von einem fruchttragenden Baum abgeschnitten wurde, in Triebe, und nachdem sie diese mit bestimmten Zeichen markiert haben, streuen sie diese nach dem Zufallsprinzip und beil\u00e4ufig \u00fcber das wei\u00dfe Tuch \u2026 zum Himmel hinaufblickend, zieht er dreimal ein einzelnes \u2026<\/em>&#8220; Tacitus schweigt sich dar\u00fcber aus, wie viele solche Triebe oder Lose von dem Stab abgeschnitten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Alle Macht der Fantasie<\/p>\n\n\n\n<p>Egal, was Tacitus beobachtet zu haben glaubt: Es reichen vier solche Lose, um alle 24 Runen zu ziehen. Und das ist auch der Grund daf\u00fcr, dass es sich um ein&nbsp;<em>schnelles<\/em>&nbsp;Runenorakel handelt: statt m\u00fchsam 24 St\u00fcckchen abzus\u00e4gen und danach 24 Runen zu ritzen, schneidet man 4 Triebe vom Stecken, dazu reicht ein Taschenmesser, und das dauert wenige Sekunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun m\u00fcssen die vier Triebe markiert werden: der erste bekommt eine Kerbe, der zweite wird zweimal eingekerbt\u2026 drei\u2026 vier. Fertig ist das Orakel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Runen werfen<\/p>\n\n\n\n<p>Denke an die Frage, schlie\u00dfe die Augen, streue die H\u00f6lzchen vor Dir aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehme eins, merke Dir die Anzahl der Kerben, lege es zur Seite. Nehme ein zweites und ein drittes, merke Dir jeweils die Anzah der Kerben, lege sie zur Seite. Wichtig: nicht &#8222;zur\u00fccklegen&#8220; &#8211; wenn ein H\u00f6lzchen einmal genommen wurde, ist es raus.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hast Du eine Folge von drei Zahlen, zum Beispiel 3-2-1.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Interpretieren<\/p>\n\n\n\n<p>Und so kommst Du von diesen drei Zahlen zur Rune. Dazu musst Du die Runenreihe auswendig kennen und die drei Aetts vor Deinem geistigen Auge haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim <strong>ersten <\/strong>H\u00f6lzchen hatten wir die Wahl aus insgesamt vier. Du w\u00e4hlst aus den ersten vier Runen des FUTHARK diejenige, die der ersten Zahl entspricht. ALso im Beispiel &#8222;3&#8220; ist das die Rune Thurisaz. Vorl\u00e4ufig! Das Ergebnis wird sich vermutlich noch verschieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter zum <strong>zweiten <\/strong>H\u00f6lzchen. Hier hatten wir die Wahl aus noch insgesamt drei (das erste H\u00f6lzchen kommt zur Seite und kann nicht mehr aufgehoben werden), n\u00e4mlich 1, 2, und 4. Das FUTHARK ist in drei Aetts aufgeteilt. Du w\u00e4hlst dasjenige Aett, welches der Position der Zahl in den \u00fcbrigen H\u00f6lzchen entspricht. Im Beispiel ist es die 2, das ist die mittlere von den drei Zahlen, also ist es jetzt die dritte Rune des mittleren Aett, also nicht mehr Thurisaz, sondern Isa. Immer noch vorl\u00e4ufig, denn es gibt ja noch das dritte H\u00f6lzchen, das Du gezogen hast. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim <strong>dritten <\/strong>gezogenen H\u00f6lzchen hattest Du noch die Wahl aus insgesamt zwei, im Beispiel waren noch 1 und 4 \u00fcbrig, und Du hast die 1 gezogen. Im ersten Schritt hast Du nur das halbe erste Aett ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen mit den vier M\u00f6glichkeiten &#8211; jetzt ist der Zeitpunkt, wo sich herausstellt, welche H\u00e4lfte des Aett gemeint ist. Von den beiden \u00fcbrigen hast Du im Beispiel die kleinere gezogen, was &#8222;linke H\u00e4lfte&#8220; bedeutet, das Ergebnis bleibt bei der dritten Rune des zweiten Aett, also Isa. H\u00e4ttest Du hingegen. die 4 gezogen, dann w\u00e4re das Ergebnis auf die rechte H\u00e4lfte gewandert, und Dein Ergebnis w\u00e4re Algiz gewesen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Tafeln und Tabellen<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Du diese mentale Gymnastik nicht gleich machen willst, kannst Du nat\u00fcrlich auch eine h\u00fcbhsce Tabelle verwenden. Ich finde, dass das Visualisieren der Runenreihe, und die &#8222;Bewegung&#8220; des Ergebnisses auf der Visualisierung mit jedem zus\u00e4tzlichen H\u00f6lzchen, eine prima Meditation ist, und dass es sehr sch\u00f6ne Magie der fast leeren Hand ist, auf einem Spaziergang mit Taschenmesser schnell vier Lose zu schneiden und den Rest im Kopf zu machen &#8211; aber es gibt m\u00f6glicherweise keine absolute Wahrheit, daher hier eine praktische \u00dcbersicht: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>1-2-3<br> \u16a0<\/td><td>2-1-3 <br>\u16a2<\/td><td>3-1-2 <br>\u16a6<\/td><td>4-1-2 <br>\u16a8 \u16a9 \u16ac \u16ad<\/td><td>1-2-4 <br>\u16b1<\/td><td>2-1-4 <br>\u16b2 \u16b4<\/td><td>3-1-4 <br>\u16b7<\/td><td>4-1-3 <br>\u16b9<\/td><\/tr><tr><td>1-3-2 <br>\u16ba \u16bb \u16bc<\/td><td>2-3-1 <br>\u16be<\/td><td>3-2-1 <br>\u16c1<\/td><td>4-2-1 <br>\u16c3 \u16c4 \u16c5<\/td><td>1-3-4 <br>\u16c7 \u16e8 \u16e6<\/td><td>2-3-4 <br>\u16c8<\/td><td>3-2-4 <br>\u16c9<\/td><td>4-2-3 <br>\u16ca \u16cb<\/td><\/tr><tr><td>1-4-2 <br>\u16cf \u16d0<\/td><td>2-4-1 <br>\u16d2<\/td><td>3-4-1 <br>\u16d6<\/td><td>4-3-1 <br>\u16d7 \u16d8 \u16d9<\/td><td>1-4-3 <br>\u16da<\/td><td>2-4-3 <br>\u16dc<\/td><td>3-4-2 <br>\u16de<\/td><td>4-3-2 <br>\u16df<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-font-size has-small-font-size\"><a class=\"wp-block-button__link has-foreground-background-color has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/aepalizage.iot-d.de\/?page_id=384\" style=\"border-width:1px;padding-top:8px;padding-right:8px;padding-bottom:8px;padding-left:8px\">zur\u00fcck zu den Techniken und Ritualen<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Frater Cino Bei Tacitus gibt es einen Passage \u00fcber die Orakel-Gebr\u00e4uche der germanischen St\u00e4mme der Antike, die sich aus heutiger Sicht sehr verlockend liest: sie scheint das Werfen der Runen mittels 24 Runensteinchen oder Runenh\u00f6lzchen zu beschreiben, wie es heute in magischen und neopaganen Kreisen \u00fcblich ist. 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