A E P A L I Z A G E

Priesterschaft des Chaos

von Frater Fuchs

Nachdem wir hier einige Artikel vom Blog der britischen Sektion über das Amt des/der Priester/in des Chaos geteilt haben, will ich mit diesem Artikel auch nochmal meine Sichtweise auf dieses Amt erklären.

Die Rolle der Priester hat sich im Lauf der Zeit weiterentwickelt. Zu Beginn, als der Pakt noch jung war, war die wesentliche Aufgabe der Priesterinnen und Priester, den Pakt nach außen hin zu repräsentieren. Keine kleine Aufgabe, aber dennoch nur ein Teil dessen, was Priesterschaft in meinen Augen ausmacht. Eine ganze Weile lang war dieser Aspekt der Priesterschaft einer, mit dem ich mich relativ wenig beschäftigt habe, einfach weil andere Aufgaben in der Zeit wichtiger waren. Inzwischen wende ich mich auch dem „öffentlichen“ Teil des Priesteramtes mehr zu, indem ich beispielsweise ein Buch über Magie geschrieben habe (das noch auf seine Veröffentlichung wartet) und regelmäßig kostenlose Tarotlegungen anbiete.

Jemand, der oder die den Pakt nach außen repräsentiert oder vielleicht sogar vertritt, würde ich eher eine/n Botschafter/in des Paktes nennen als eine/n Priester/in, aber zu einem gewissen Anteil sind Priester/innen auch immer Botschafter/innen: Sie vertreten eine Gemeinschaft, oder ein Prinzip oder eine Religion, oder all diese Dinge auf einmal. Manchmal sind sie sogar eine gewisse (spirituelle) Autorität, aber das kommt immer auf den Blickwinkel und auch die jeweilige Glaubensrichtung an.

Aber Priester sind mehr als nur das, mehr als nur Botschafter und Repräsentanten. Auch bei uns im Pakt. Wir Priester kümmern uns um unsere Geschwister und auch andere Menschen in unserem Umfeld in besonderer Weise, wir übernehmen dafür eine gewisse Verantwortung: Priesterschaft ist für mich in aller erster Linie ein Dienst. Und zwar nicht ein Dienst an einer Gottheit, einem Prinzip oder einer Religion, sondern an Menschen.

Viele Paktgeschwister kommen zu mir in meiner Funktion als Priester, um Rat zu suchen, für Divination, manchmal auch um bestimmte Rituale für sie anzuleiten. Deshalb ist ein großer Teil meiner Arbeit als Priester kein öffentlicher, sondern eine sehr intime, persönliche, private Angelegenheit.

Jede unserer Sektionen hat mehrere Priesterinnen und Priester, und das ist gut und wichtig. Denn so verschieden wie die Menschen sind, so verschieden und individuell sind auch ihre Bedürfnisse. Umso wichtiger ist es, dass sie verschiedene Priester haben, bei denen sie um Hilfe bitten können. Längst nicht jeder ist gleich fähig, sich zu kümmern, nicht jeder hat die selben Talente und Spezialgebiete, nicht jedem kann/will man sich anvertrauen.

Ein nicht unwesentlicher Teil unserer Arbeit als Priester ist auch das Anleiten von Zeremonien und Übergangsriten, und die Unterstützung in solchen Zeiten der Übergänge. Ein Beispiel hierfür ist mir letztes Jahr passiert, als eine Schwester mich gebeten hatte, sie bei der Einschläferung ihres Pferdes zu begleiten. Auch das ist Teil unserer Arbeit: Da zu sein, mitzukommen, während der Einschläferung Gebete zu sprechen oder Ähnliches, die Angst des Sterbenden zu lindern, die Trauer der Hinterbliebenen aufzufangen. Manchmal sind die Anlässe aber auch sehr freudig, wie beispielsweise Hochzeiten, oder wenn neugeborene Babies gesegnet werden sollen.

Und nicht zuletzt kann man uns auch bei magischen Problemen wie Spuk konsultieren. Magische Hausreinigungen oder Exorzismen sind ebenso etwas, das ich ab und zu mache, sowohl für Paktgeschwister als auch für Außenstehende.

Alles in allem sind Priester also vor allem Helfer, sowie auch Botschafter und Repräsentanten. Ein sehr umfassendes, vielseitiges Amt, zu dem man sich berufen fühlen muss, um es gut auszukleiden. Priesterschaft ist etwas, das zu einem kommt, nicht etwas, zu dem man sich hin arbeitet.